Strafen: die unangenehme Pflicht: Texte und Materialien für Pädagoginnen und Pädagogen.

Karin Frey, Ernst Huber, Sibylle Lichtensteiger, Heinrich Zwicky. Verlag Pestalozzianum, 2004.

Die Zeit von Kopfnüssen und Schlägen mit dem Lineal ist vorbei. Disziplinarprobleme in der Arbeit mit Jugendlichen sind jedoch aktueller denn je.

Jugendliche übertreten Regeln. Das ist normal, sei es in der Familie, in der Schule oder im Jugendtreff. Wie aber sollen wir als Erwachsene reagieren? Mit Härte oder Nachsicht? Welche Strafen verhängen wir bei Regelübertretungen? Wie empfinden die Bestraften unsere Sanktion?

Die Praxis in Jugendtreffs zeigt, dass weitherum Strafen wie Hausverbote oder Arbeitsstrafen verhängt werden, dass aber selten intensiv über das Thema nachgedacht wird. Gestraft wird normalerweise "aus dem Bauch heraus" oder dann pädagogisch verbrämt. Diese Sanktion geschieht eigentlich zum Wohl des Kindes, damit es lernt Grenzen zu respektieren. Wie oft schon hat man diesen Satz unter Pädagogen gehört. Eigentlich ist er einfach nur Quatsch. "Strafen", so Rechtsprofessor Marcel Alexander Niggli Ende Oktober 2004 in Lenzburg, "sind das Eingeständnis, dass wir in einer Situation nicht mehr weiterwissen. Strafen sind eine Notlösung."

Das Stapferhaus Lenzburg hat Ende Oktober 2004 eine Ausstellung zum Thema "strafen" lanciert. Diese nimmt verschiedene Aspekte des Themas auf und will zu einem reflektierten Umgang mit dem eigenen Strafbedürfnis und mit der Strafkultur in der Schweiz anregen. Die vorliegende Broschüre ist im Zusammenhang mit dieser Ausstellung erschienen und wendet sich speziell an Pädagoginnen und Pädagogen.

Inhalt

- Einführung

- Strafen in Erziehung und Schule

- Straferfahrungen

- Materialien

Reflektiert heisst in Bezug auf Strafen vor allem: wir müssen uns selber in den Blick nehmen. Denn unsere Strafen haben normalerweise mehr mit uns selber zu tun, als mit dem Bestraften. Das vorliegende Buch hilft denn auch nicht mit konkreten Straftipps aus dem pädagogischen Dilemma, sondern trägt dazu bei, dass wir uns lesenderweise mit unserem Strafverhalten auseinandersetzen können und dadurch befähigt werden (hoffentlich), in Zukunft unsere Strafen besser zu verstehen.

Das Dumme am Strafen ist: wir können das Resultat einer Strafe nicht voraussehen. Auch wenn einige Pädagogen das Gegenteil behaupten werden. Wir wissen beim Verhängen einer Strafe nicht, ob sie sich auf den Jugendlichen positiv auswirkt oder negativ. Trotzdem müssen wir im Alltag als Lehrkräfte oder Jugendarbeiter Strafen einsetzen.

Wer sich an Hand der Lektüre von "strafen: die unangenehme Pflicht" mit seinem Strafverhalten auseinandersetzen will, dem sei empfohlen, die Lektüre auf Seite 56 zu beginnen. Dort berichten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nämlich über ihre Erfahrungen mit dem Bestraftwerden. Vielleicht das spannendste Kapitel des ganzen Buches. Natürlich erfährt der Leser aber auch sonst viel Wissenswertes zur Geschichte von Schulstrafen, zum Jugendstrafrecht in der Schweiz oder von Erfahrungen aus dem Schulalltag mit Strafen.

Obwohl das Buch für Lehrerinnen und Lehrer geschrieben worden ist, bringt die Lektüre auch allen anderen Pädagoginnen und Pädagogen Gewinn. Denn das Setting ist ja nicht so unterschiedlich in der Schule, im Jugendtreff oder in einer stationären Einrichtung: Jugendliche übertreten Normen, die Erwachsenen sollen reagieren. Das Buch "strafen: die unangenehme Pflicht" hilft Berufseinsteigern wie erfahrenen Pädagogen, mit weniger persönlichem Stress zu strafen. Denn ohne strafen geht es natürlich nicht.

Kurz und bündig: Pflichtlektüre!

 

FAKTEN

BEZUG

Format: A4, kartoniert.
88 Seiten.
sFr. 35,00.
Zürich: Verlag Pestalozzianum, 2004.
ISBN 3-03755-030-9.

Oder beim Lehrmittelverlag Zürich.

WERTUNG

HINWEISE

Optik: ansprechend, illustriert, übersichtlich.

Inhalt: kompetent und spannend.

Nutzen: sehr hoch.

Einsatz: Schule und Jugendarbeit.

jugendarbeit.ch vertreibt selber keine Arbeitshilfen. Wende dich für den Bezug dieses Buches an die angegebene Bezugsquelle.

Für alle Hinweise zur Aktualisierung dieser Angaben sind wir dankbar!

© 2004 by pm

Peter Marti, November 2004.

jugendarbeit.ch - erstellt: 04.11.04 - geändert: 06.02.05 - © 2005 by pm