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Jungen in der Pubertät: Wie Söhne erwachsen werden.

Joachim Braun. rororo. Hamburg, 2003 (7. Auflage).


Schwer hat es, wer Kinder in der Pubertät ertragen muss. Noch schwerer hat es, wer männliche Teenager in der Pubertät begleiten soll.

Erziehungsratgeber zum Thema "Pubertät" gibt es schon fast wie Sand am Meer. Das Besondere des vorliegenden Buches ist, dass es sich ausschliesslich der Entwicklung von Jungen widmet. Eine sinnvolle Entscheidung von Sachbuchautor und Therapeut Joachim Braun, denn die Pubertät verläuft bei Mädchen und Knaben sehr unterschiedlich.

Das Buch lebt vor allem von den vielen Beispielen aus der therapeutischen Praxis des Autors. Hier werden praktisch alle Probleme, die Eltern und Teenager erleben, an Hand von Fallbeispielen geschildert. Die Lektüre dieser Gespräche kann tröstlich wirken: man ist nicht allein mit seinem schwierigen Jungen, denn Teenager scheinen in den Jahren zwischen 12 und 17 alle ähnliche Probleme zu haben und zu machen. Interessant zum Ausprobieren im eigenen Haushalt sind die jeweils im Buch gewählten Problemlösungsstrategien.

Grundtenor des Ratgebers ist (wie auch in vielen anderen Büchern zu diesem Thema): Jugendliche brauchen die Erwachsenen in der Zeit der Pubertät als Reibungsfläche. Widerborstigkeit und Aufbegehren ist normal und sollte in einem gewissen Mass akzeptiert werden. Trotzdem müssen gewisse Grenzen gesetzt und auch eingefordert werden. Das Buch hilft, hier die richtigen Prioritäten zu setzen.

Das Besondere des pubertären Verhaltens bei männlichen Teenagern ist, dass ihr rüpelhaftes, zum Teil aggressives Auftreten einen engen Zusammenhang mit der Angst vor dem Mannwerden aufweist. Aus Angst, zu wenig männlich zu sein, werden vermeintlich männliche Verhaltensweisen an der Umwelt getestet: brüllen, kämpfen, Recht haben, Mädchen nachpfeifen, sich an keine Regeln halten, auf den Boden spucken usw. Im Gegensatz zu früher, als ein oftmals autoritärer Vater das Vorbild für den männlichen Teenager lieferte, sind die Verhältnisse heute eher verwirrend, was den jungen Männern die Pubertätszeit nicht gerade erleichtert.

Inhalt

Die Buchlektüre bringt vor allem Gewinn für Eltern, aber auch für Lehrkräfte und andere pädagogisch Tätige. Angesprochen werden alle für die Pubertätskonflikte relevanten Themen: Sexualität, Abgrenzung, Mütter und Söhne, Väter und Söhne, Alleinerziehende, Taschengeld, Aussehen, Drogen, Schule, Ausgang, Mithilfe im Haushalt usw.

Besonders hilfreich fand ich das Kapitel zur Rolle der Eltern und die These, dass Pubertätskonflikte oft auch Ausdruck von verdrängten Problemen der Eltern sind. Spannend auch die Hinweise zu den unterschiedlichen Rollen von Müttern und Vätern und zum "richtigen Streiten" in der Familie. Ausgezeichnet gelungen ist das Kapitel "Regeln, Grenzen, Konsequenzen", das ein sehr praktikables Modell für den Umgang mit Regeln im Alltag aufzeigt.

Ein Lob verdient im Übrigen die gelungene fotografische Ausstattung des Buches: die schwarzweissen Fotos, die das Buch auflockern, zeigen Teenager in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit. Absolut gelungen! Nicht so glücklich war ich mit der eher unübersichtlichen Gliederung des Buches. Ohne Inhaltsverzeichnis findet man kaum ein Kapitel wieder, was an der fehlenden Nummerierung der Kapitelüberschriften und deren typografischen Gestaltung liegt.

Ausserordentlich empfehlenswert! Am Besten bereits kaufen und lesen, wenn der Sohnemann 12 Jahre alt ist - so ist man für die kommenden fünf Jahre bereits vorgewarnt und gewappnet.

Peter Marti, Februar 2003.

jugendarbeit.ch - erstellt: 01.12.02 - geändert: 03.08.09 - © 2009 by pm