Klaus Farin.
Verlag C.H.Beck. becksche reihe, 2002 (2. Auflage).

Wer? Wie? Weshalb? Der Buchautor und Journalist Klaus Farin beantwortet in diesem Taschenbuch die wichtigsten Fragen zum Thema Jugendkulturen.
In Deutschland gibt es heute mehr als 600 lebende Jugendkulturen. Jugendliche durchlaufen zwischen ihrem 11. und 19. Lebensjahr im Schnitt sechs bis acht dieser Kulturen oder gehören gleichzeitig mehreren an. Grund genug für alle, die sich beruflich mit Jugendlichen beschäftigen, ihr Wissen über Jugendkulturen zu erweitern.
Aber nur ja nicht die Medien als Informationsquelle für Jugendkulturen verwenden! Was dort über Hooligans, Gothics, HipHopper oder Skinheads verbreitet wird, hat meist mit der Realität wenig zu tun. Idealfall: ein Jugendlicher, der einen aus erster Hand über seine Szene informiert. Zweite Wahl: das vorliegende Buch von Klaus Farin, das so nahe an den Szenen ist, dass man fast von Informationen aus erster Hand sprechen kann.
Der Autor, seit 1998 Leiter des deutschen Archivs der Jugendkulturen, hat lange Jahre für dieses Buch recherchiert. Resultat ist ein spannend geschriebenes rund 200-seitiges Bändchen, das sowohl wissenschaftliche Aspekte (Subkulturforschung) wie auch persönliche Erfahrungen des Autors im Kontakt mit Jugendlichen auf gelungene Weise verbindet.
Inhalt
Die Lektüre von generation-kick.de führt auch bei erfahrenen Jugendarbeitern zu vielen Aha-Erlebnissen. Zum Beispiel: Geschichte wiederholt sich im Jugendkulturbereich. Krasse HipHopper? Prügelfreudige Hooligans? Unbeliebte Skinheads? Alles schon einmal da gewesen, nur unter anderem Namen. "Halbstarke", "Rocker "oder "wilde Cliquen" nannte man sie damals, die "schwierigen" Jugendlichen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und wie damals gehört die "harte Schale" untrennbar zur jeweiligen Jugendkultur und wird von den Jugendlichen auch bewusst gepflegt. Oder: Jugendkulturen sind eine Art künstliche "Stammeskulturen", die aus einem differenzierten Code bestehen, der vom gehörten Musikstil und der speziellen Kleidung bis hin zu Sprache und Gestus das Verhalten des Stammesmitglieds bestimmt. Und: jede Jugendsubkultur läuft Gefahr, von der Gesellschaft durch Kommerzialisierung domestiziert zu werden und verliert dadurch teilweise an Attraktivität für die Jugendlichen. Interessant auch die Erkenntnis, dass es im Bereich Jugendkulturen kein schwarz und weiss gibt, wie dies nach aussen jeweils scheint. Jugendliche können gleichzeitig zwischen mehreren sich scheinbar widersprechenden Kulturen "switchen".
Generation-kick.de ist ein süffig geschriebenes Fachbuch, gewürzt mit grossem Fachwissen und einem echten Interesse des Autors für die beschriebenen Jugendkulturen. Allein die ausführlichen Portraits der Skinhead-, Gothics- oder Hooligan-Szene lohnen die Lektüre. Was vollständig fehlt, ist jede Art von Überheblichkeit des Autors gegenüber den portraitierten Jugendlichen. Nach zehn Jahren Jugendarbeit hat der Rezensierende selten ein Buch gelesen, welches das Thema "Jugendkultur" so gut auf den Punkt bringt. Weder voreingenommende Ablehnung noch Überidentifizierung prägen die Haltung des Autors, sondern das Interesse eines Ethnologen, der wertfrei nach dem Brauchtum eines fremden Stammes forscht.
Kurz und bündig: Pflichtlektüre!
Peter Marti, Februar 2004.