Esther Abplanalp (Hrsg.). Luzern: interact, 2005.

Empfehlenswerte Lektüre vor der Einrichtung eines Ausbildungsplatzes im Bereich Sozialer Arbeit - für Praxisausbildner und Behörden.
Ausbildungspraktika sind heute wesentlicher Bestandteil einer Fachhochschulausbildung im Bereich Soziale Arbeit. Grund genug, diese Praktika professionell zu planen und durchzuführen. Besonders dann, wenn der Praxisausbildner vor Ort, sein Studium bereits vor einigen Jahren absolviert hat oder wenn zum ersten Mal ein Ausbildungsplatz in der Institution angeboten wird.
Ausbildungsplätze sind nämlich eine anspruchsvolle Sache für die anbietende Institution und alle beteiligten Mitarbeiter. Eine Organisation, welche das Praktikum gut überlegt angeht und sich der Verantwortung für das Gelingen des Praktikums bewusst ist, macht weniger Fehler. Gerade in der Jugendarbeit, die bezüglich Professionalität den übrigen Bereichen der Sozialen Arbeit stets ein wenig nachhinkt, ist eine sorgfältige Planung wichtig. Auszubildende sind nicht einfach kostengünstige Arbeitskräfte oder gar Hilfsarbeiter, sondern Studierende, die das Recht auf eine gute Begleitung während ihrer Praktikumszeit haben.
Inhalt:
Das vorliegende Buch behandelt alle wichtigen Aspekte der Praxisausbildung. Die Autorinnen und Autoren zeichnen sich durch einen guten Bezug zur Berufspraxis aus - keine Selbstverständlichkeit im Hochschulbereich. Zu den Highlights im Buch (aus Sicht des Rezensierenden) gehören die Kapitel von Bernhard Knecht zu den systemischen Reflexionsmöglichkeiten der PA (3.), Esther Abplanalp zur Planung von Praktika (4.) und Santino Güntert zum Thema "Beurteilung in der PA" (6.). Esther Abplanalps Text bietet da unter anderem einen hilfreichen Raster zur Erstellung eines institutionsinternen Ausbildungskonzeptes oder einen Musterablauf für ein Ausbildungspraktikum, der von jeder Organisation beherzigt werden sollte.
"Qualität ist kein Zustand, sondern ein Prozess", schreibt Günter Ackermann im letzten Kapitel des Buches. Eine Institution, die ihr Praktikumsangebot regelmässig reflektiert, kann ein qualitativ höherwertiges Angebot realisieren. Das vorliegende Buch hilft bei dieser Reflexion und gibt unverzichtbare Anregungen.
"Lernen in der Praxis" schliesst eine Lücke im Bereich Grundlagenliteratur für die Praxisausbildung und kann uneingeschränkt empfohlen werden. Ganz perfekt ist das Werk aber leider nicht: der Schriftsatz für den Druck wurde stellenweise so unsorgfältig vorgenommen, dass er die Lesefreude des anspruchsvollen Lesers nachhaltig trübt. Vor allem im vierten Kapitel wimmelt es von unnötigen Bindestrichen mitten im Text. Hier dürfte jemand den Unterschied von weichen und harten Trennzeichen noch nicht begriffen haben. Schade, wenn ein inhaltlich so tolles Buch, vom Korrektorat derart nachlässig behandelt wird.
Trotzdem natürlich: Pflichtlektüre für alle Verantwortlichen im Bereich Praxisausbildung!
Peter Marti, August 2005.