Miryam Eser Davolio.
Verlag Paul Haupt, 2000.
Kann man durch Projektunterricht fremdenfeindliche Einstellungen bei Lehrlingen ändern? Praktisch nicht, so das Resultat der Forschungsarbeit von Miryam Eser Davolio. Trotzdem lohnen sich Projekte zum Thema «Rassismus» in der Schule.
Wenn die Medien mit farbigen Bildern über die jungen Rechtsextremen in unserem Land berichten, wird landauf, landab der Ruf laut: "Dagegen muss man doch etwas tun!" Und was liegt näher, als der öffentlichen Schule eine neue Aufgabe zu übertragen und zu fordern, dass im Unterricht "antirassistische Verhaltensweisen" gelehrt werden. Der Lehrkraft vor Ort fehlt es nun kaum am guten Willen, doch sie fragt sich zu recht: "Wie mache ich das bloss?" An Materialien - vorwiegend aus unserem Nachbarland Deutschland - fehlt es nicht. Kritische Lehrerinnen und Lehrer fragen sich jedoch, ob mit intensiverem Geschichtsunterricht oder einem Besuch im lokalen Asylbewerberheim wirklich nachhaltige Einstellungsänderungen bei ihren Kids erzielt werden können.
Die vorliegende Studie hat den grossen Wert, verschiedene Arten von Projektunterricht in einer Berufsschule "getestet" und die angestrebten Einstellungsänderungen in verschiedenen Zeitabständen kontrolliert zu haben. Als "Probanden" dienten Jugendliche der baugewerblichen Berufsschule und der technischen Berufsschule im Kanton Zürich.
Inhalt:
Die Resultate der kontrollierten Einstellungsänderungen sind ernüchternd. Den grössten Aufklärungseffekt hatte der Programmteil "Asylbewerber", welcher auf direkten Begegnungen mit Flüchtlingen basierte. Der Programmteil "Ausländer" wirkte längerfristig kaum präventiv, der Programmteil "Juden" erzeugte gar einen Bumerangeffekt. Laut der Autorin sind Einstellungsänderungen jedoch nicht ausgeschlossen, wenn in einer Klasse eine positive Grundstimmung für das Thema geschaffen werden kann. Ist dieses jedoch nicht vorhanden, bauen die Jugendlichen eine Abwehrhaltung gegen das Thema "Rassismus" auf, die auch durch ausgeklügelten Unterricht kaum durchbrochen werden kann.
Die Lektüre des vorliegenden Buches ist spannend, wenn auch anspruchsvoll. Hilfreich sind die in Balkendiagrammen dargestellten Forschungsergebnisse, der klare Buchaufbau und die gut verständliche Sprache. Ein ausführliches Literaturverzeichnis schliesst das Buch ab. Interessant sind auch die am Schluss beigefügten Vergleiche zu ähnlichen Erhebungen in unserem Land. Beim vorliegenden Buch handelt es sich nicht um ein Lehrmittel mit Praxistipps für den Projektunterricht, sondern um ein Buch, das verschiedene Unterrichtsformen analysiert. Trotzdem bringt eine vorgängige Lektüre einiges für die Praxis. Unter anderem folgende Schlüsse:
Die Lektüre der Forschungsarbeit von Miryam Eser Davolio ist allen Autoren von Anti-Rassismus-Arbeitsmitteln wärmstens zu empfehlen. Aber auch Praktiker aus Jugendarbeit und Schule profitieren von der Lektüre der Studienergebnisse.
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FAKTEN |
BEZUG |
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Format:
15.5x22.5 cm. |
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WERTUNG |
HINWEISE |
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Optik: übersichtlich, Sachbuchstil. Inhalt: spannend. Nutzen: hoch. Einsatz: v.a. für die wissenschaftliche Arbeit, aber auch, um sich vor Illusionen bei eigenen Praxisprojekten zu bewahren. |
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Peter Marti, Zürich, Januar 2002.