Johannes Gernert, Fackelträger-Verlag, 2010.

Eine lesenswerte Reportage aus unserer aktuellen Jugendkultur, die von Porno-Ästhetik und sexuell expliziter Sprache geprägt wird. Porno ist Pop - von Bushido bis Heidi Klum. Was macht das mit unseren Kindern? Und wie soll man damit umgehen?
Der Klappentext des vorliegenden Buches verspricht "Rat und Lösungen" für Eltern und Erzieher im Umgang mit Jugendschutz im Internet. Ein Versprechen, das vom Autor nicht eingehalten wird. Zum Glück! Denn moralisierende Appelle im Zusammenhang mit Jugendschutz und Pornografie gibt es bereits genügend. Zensur! Zensur! So hallt der Ruf schon seit längerem durch unser Land, wenn es um jugendgefährdende Inhalte im weltweiten Datennetz geht.
Die Publikation "Generation Porno" hebt sich wohltuend von solchen unrealistischen Forderungen ab. Mit dem forschenden Blick des Journalisten besucht Autor Johannes Gernert Jugendliche, Eltern, Sexualpädagogen, Jugendschützer, Wissenschaftler, Lehrpersonen und Sozialarbeiterinnen. Und beschreibt in erster Linie, was er sieht und um was es geht: Das sind widerlichste Sexualpraktiken, die ohne Zugangsbeschränkung selbst von Kindern im Internet konsumiert werden können. Das sind junge Mädchen, die sich in ihren Mailadressen und Nicknames als "Bitches" oder "Pussys" bezeichnen. Das sind junge Männer, die als Berufswunsch "Pornostar" angeben.
Es sind aber auch: Verunsicherte und ratlose Erwachsene in einer pornografisierten Gesellschaft, die sie auf diese Art nicht kennen. Und es sind Jugendliche, die erstaunlicherweise recht gut gelernt haben, sich in dieser Gesellschaft zu bewegen, ohne allzugrossen Schaden an Körper und Geist davon zu tragen.
Dennoch ist das Buch von Johannes Gernert kein verharmlosendes Buch. Der Autor zeigt jedoch in aller Deutlichkeit , dass Zensurmassnahmen als Reaktion auf Pornografie im Internet vor vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Wer soll denn all' die Computer, Handys, iPods und iPads kontrollieren? Das Buch plädiert in erster Linie dafür, mit unseren Kindern über das Thema zu reden. In der Familie, in der Schule, im Jugendtreff. Oder wie es eine Interviewpartnerin gegenüber den Journalisten sagt: Wir m&uuuml;ssen unseren Kindern "Pornokompetenz" vermitteln, auch wenn dies etwas komisch tönt.
Ja und zum Schluss gibt es dann doch noch einige Tipps für Eltern im Umgang mit dem Thema. Den 20 Punkten auf Seite 275ff. ist vorbehaltslos zuzustimmen. Wer wissen will, um was es dabei geht, muss aber zuerst das ganze Buch lesen...
Sehr lesenswert für alle, die mit Kindern und Jugendlichen beruflich oder privat zu tun haben.
Peter Marti, Juli 2010.