Wasserspiele für Gruppen.

Patrik Lehner.

Luzern: rex verlag, 2001.

Eine Hilfe für Leiterinnen und Leiter, die mit ihrer Gruppe das Element Wasser zum Spiel nutzen wollen, aber auch für Lehrerinnen und Lehrer, die Schwimmunterricht erteilen.

Nur im Wasser kann sich der Mensch in drei Dimensionen bewegen. Wasser ist ein faszinierender Ort zum Spielen für Kinder und Jugendliche. Wasser beinhaltet aber auch Gefahren. Grund genug, sich als Leiterin oder Leiter einer Gruppe von Kindern oder Jugendlichen auf das Spielen im und am Wasser gut vorzubereiten. Das vorliegende Buch hilft bei dieser Vorbereitung und liefert unzählige Ideen für Aktivitäten im Wasser.

Inhalt:

Einleitung

Sicherheit und Verantwortung

Einführung in Wasserspiele

Wasserspiele für Nichtschwimmer

Wasserspiele für Schwimmer

Spiele in Naturgewässern

Floss, Gummiboot

Überblick

Nach einem sehr lesenswerten Einleitungsteil, in welchem es um Grundsätzliches, aber auch um die Angst vieler Kinder vor dem Wasser geht, befasst sich Autor Patrik Lehner mit dem Thema Sicherheit und Verantwortung. Dieses Thema ist beim Spielelement "Wasser" besonders zu beachten. Eigentlich lassen sich die Sicherheitsregeln aber auch auf jede andere Aktivität mit Kindern und Jugendlichen übertragen und gewinnen damit Bedeutung über den Inhalt dieses Buches hinaus. Themen wie "aktive Sicherheit", "Redundanzprinzip" oder "Verantwortung" sollten bei jeder Gruppenunternehmung im Auge behalten werden &endash; eine Lektüre dieses Buchkapitels lohnt sich also auch bei Anlässen, die nichts mit Wasser zu tun haben.

Die folgenden drei Kapitel widmen sich intensiv verschiedenen Spielformen im Wasser. Wer Ideen für Spiele mit Kindern oder Jugendlichen sucht, findet hier eine riesige Auswahl. Zwar liegt das Schwergewicht der Vorschläge eher bei der Lektionsgestaltung für den Schwimmunterricht. Doch viele Spiele eignen sich auch für die Freizeitarbeit mit Kindern. Vor allem auch die beiden folgenden Kapitel zu Spielen in Naturgewässern und zum Flossbau bieten einen guten Ideenpool für die Kinder- und Jugendarbeit.

Alle Spiele sind sehr verständlich erklärt und mit Piktogrammen versehen, die über Altersgruppe, Anzahl Mitspielende usw. informieren. Eine Übersicht am Ende des Buches listet tabellarisch nochmals alle vorgestellten Spiele auf und verschafft so einen guten Gesamtüberblick.

Von der Gestaltung her faszinieren die tiefsinnigen Illustrationen von Christoph Fischer, die dem Buch eine ganz spezielle Ausstrahlung verleihen. Das Layout insgesamt wirkt jedoch etwas langweilig und nicht besonders übersichtlich. Die riesige Fülle an Spielideen erschwert es, in kurzer Zeit das richtige Spiel für die eigene Gruppe zu finden. Der Buchtitel "Wasserspiele" ist sowieso eher irreführend für den Inhalt des Buches. Bei einem grossen Teil der vorgeschlagenen "Spiele" handelt es sich eher um Übungsformen für den Schwimmunterricht oder um Gewöhnungsformen an das Element Wasser. Auch einen Fluss schwimmend zu überqueren ist m.E. kein eigentliches Spiel, sondern einfach eine Wasseraktivität. Es sei denn, man bezeichnet einfach jede Form von Freizeitgestaltung als "Spiel". Dank der grossen Zahl an Ideen findet man als Gruppenleiter jedoch genügend "richtige" Spiele, die sich mit Kindern im Wasser spielen lassen. Von der Gliederung her wäre es möglicherweise hilfreicher gewesen, die Einteilung in Übungsformen, Wasseraktivitäten und eigentliche Spiele klarer zu treffen.

Zwei Themen fehlen in diesem Buch und sollten vielleicht in einer Zweitauflage berücksichtigt werden. In meiner Arbeit als Jugendleiter bin ich immer wieder mit dem Thema "Unsicherheit mit dem eigenen Körper" v.a. bei Teenagern konfrontiert. Der erbarmungslose Körperkult der heutigen Gesellschaft führt zu schwierigen Situationen für unsichere Jugendliche, wenn sie in den Badeanzug steigen sollten. Bin ich zu dick, zu mager, zu wenig muskulös, zu weiss, zu braun? Auch religiöse Gründe können zu Unsicherheiten im Schwimmunterricht führen. Und bei den Mädchen spielen die Menstruation und die damit verbundenen Schamgefühle eine Rolle, wenn es ums Baden und Schwimmen geht. Ein Kapitel, das Leiterinnen und Leiter sowie Lehrpersonen für solche Unsicherheiten sensibilisiert, hätte unbedingt in den Einleitungsteil dieses Buches gehört. Badeaktivitäten können nämlich nur dann gelingen, wenn das Gruppenerlebnis intakt bleibt. Es sollte nicht länger der Fall sein, dass sich unsichere Kinder einfach mit "Kopfweh" vom Baden abmelden und so vom gemeinsamen Gruppenerlebnis ausgeschlossen bleiben.

Der zweite fehlende Themenbereich ist jener von Nähe und Distanz. Auch dieser Bereich ist v.a. in der Arbeit mit Teenagern wichtig. Natürlich betrifft er nicht nur sportliche Wasseraktivitäten, sondern Gruppenspiele und Sport ganz allgemein.Dass sich Leitungspersonen bewusst sind, welche Berührungen zwischen Kindern und Leitern akzeptabel sind und welche nicht, sollte heute eigentlich selbstverständlich sein. Vielleicht nicht selbstverständlich ist jedoch, dass es auch Aufgabe der Leiterinnen und Leiter ist, dafür zu sorgen, dass jedes Kind auch bei berührungsintensiven Wasseraktivitäten das Recht hat, dort die Grenze zu setzen, wo eine Berührung für es nicht mehr stimmt. Gerade pubertäre Knaben vergessen in diesem Bereich ab und zu,was erlaubt ist und was nicht. Leiterinnen und Leiter sollten diese Grenzen thematisieren und mit den Jugendlichen besprechen. Auch hier wäre ein Hinweis im Einleitungsteil hilfreich gewesen.

Alles in allem ein grosser Ideenpool für Wasseraktivitäten, den sich zu kaufen lohnt!

FAKTEN

BEZUG

23x17cm, broschiert.
160 Seiten.
EUR 17.90.
Luzern: rex verlag, 2001.
ISBN 3-7252-0710-0.

WERTUNG

HINWEISE

Optik: spannende Illustrationen, eher langweiliges Layout.

Inhalt: riesiger Ideenpool, leider nicht optimal gegliedert.

Nutzen: hoch.

Einsatz: für Lehrerinnen und Lehrer, Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter.

jugendarbeit.ch vertreibt selber keine Arbeitshilfen. Wende dich für den Bezug dieses Buches an die angegebene Bezugsquelle.

Für alle Hinweise zur Aktualisierung dieser Angaben sind wir dankbar!

© 2003 by pm

Peter Marti, Juni 2003.

jugendarbeit.ch - erstellt: 08.06.03 - geändert: 26.04.05 - © 2005 by pm