Prävention in der Jugendarbeit: was haben wir gelernt?

BAG, SAJV, DOJ. Bern: Bundesamt für Gesundheit, 2005

Ein Rückblick auf 12 Jahre Gesundheitsförderung bei Jugendlichen in der Schweiz.

Programme wie Voila, Funtasy Projects, Feelok oder Tschau sind in der Jugendarbeitsszene gut bekannt. Ziel dieser Programme war (und ist) es, Prävention und Gesundheitsförderung direkt in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen hineinzutragen. Dies geschieht mittels finanzieller Förderung von Projekten der Verbandsjugendarbeit (Voila), der offenen Jugendarbeit (Funtasy Projects) und via Internetplattformen (Ciao, Tschau, Feelok).

In den vergangenen 12 Jahren haben Bund, Kantone und andere Träger über 10 Millionen Franken in diese Projekte investiert. Die vorliegende Broschüre dokumentiert die wichtigsten Meilensteine und Erkenntnisse unter dem Titel "Was haben wir gelernt?". Verfasst wurden die Texte von den jetzigen Projektverantwortlichen. Die Broschüre bietet einen guten Überblick, stellt Zahlen und Evaluationsergebnisse vor und zeigt die Unterschiede der einzelnen Programme auf.

Wichtige Resultate der Projektrückblicke: Entscheidend für den Erfolg eines Programms ist die Verankerung in der Basis, d.h. bei den Jugendarbeitenden vor Ort. Ebenfalls wichtig sind Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche. Vor allem die Programme Voila und Funtasy Projects haben diese Faktoren stark berücksichtigt.

Leider hat die Broschüre auch einen Schwachpunkt. Die Autoren bekunden meines Erachtens Mühe, ihre eigenen Projekte auch kritisch zu hinterfragen. Nicht nur ein Hauch von Selbstbeweihräucherung durchzieht die Projektbeschreibungen. Wenn es Probleme gab, lagen diese beim Umfeld, bei den fehlenden Finanzen, bei den mangelhaften Strukturen usw. Für den Leser, die Leserin wäre es spannend gewesen, auch die Schwachpunkte der einzelnen Projekte kennenzulernen. Der Titel der Broschüre: Was haben wir gelernt? weckt andere Erwartungen.

Am realistischsten sieht wohl der DOJ die Chancen und Gefahren seiner Tätigkeit, wenn er sich zum Ziel setzt, "auch in Zukunft die Basisnähe zu bewahren" und bei der Arbeit auch "über den eigenen Tellerrand hinauszusehen".

Bestimmt kein schlechtes Ziel wäre es sicher auch noch, die Grenzen der Möglichkeit zur Prävention und Gesundheitsförderung mittels Programmen zu erkennen. So sinnvoll solche Programme sind, so beschränkt ist ihre Wirkung auf das persönliche Verhalten des einzelnen Jugendlichen. Viele andere Faktoren spielen hier eine Rolle, die sich nur schwer durch universelle Prävention beeinflussen lassen. Begrüssenswert, wenn das Bundesamt für Gesundheit hier auch in Zukunft einen kritischen Blick auf die Programme wirft. Begrüssenswert, wenn die Projektverantwortlichen die Grenzen ihrer Projekte auch kommunizieren lernen.

Lesenswert, aber leider zu unkritisch bezüglich der Einflussmöglichkeiten nationaler Programme.

FAKTEN

BEZUG

Format: A4.
76 Seiten.
Bern: Bundesamt für Gesundheit, 2005

http://www.bag.admin.ch

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Peter Marti, Dezember 2005.

jugendarbeit.ch - erstellt: 12.12.05 - geändert: 12.12.05 - © 2005 by pm