Jacques Vontobel. Andreas Baumann.
Verlag Pro Juventute. 16. vollständig überarbeitete Auflage. Zürich, 2001.
Drogen vermitteln die Illusion, schlechte Gefühle per Knopfdruck verschwinden lassen zu können. Bei der Suchtprävention ist, so der Tenor des vorliegenden Buches, dieser Hauptursache von Süchten aller Art Rechnung zu tragen.
Werden Eltern zum ersten Mal damit konfrontiert, dass ihr Kind legale oder illegale Drogen konsumiert, sind zwei Reaktionsweisen verbreitet: Verdrängung oder Dramatisierung. Das Buch "Auch mein Kind...?" aus der Reihe "FamilienPraxis" des Pro Juventute-Verlages möchte Eltern dazu anregen, sich differenzierter mit den Ursachen von Sucht auseinanderzusetzen. Ziel ist es, dass Erwachsene einen Weg finden, ehrlich mit Kindern und Jugendlichen über Alkohol, Nikotin, illegale Substanzen und Suchtmittel aller Art wie TV oder Konsum zu sprechen.
Inhalt
Vorwort
Ursachen sehen
Reagieren
Einzelne Drogen
Zum Schluss
Anhang: Adressen, Stichwortverzeichnis
Dass die Autoren des Buches den Ursachen von Süchten viel Platz einräumen ist m.E. richtig. Eltern müssen sich zuerst mit ihren eigenen Abhängigkeiten auseinandersetzen, bevor sie das Gespräch darüber mit ihren Kindern führen können. Das gilt übrigens auch für Profis aus dem Sozialbereich, die sich mit Suchtprävention befassen.
Das vorliegende Buch sucht das Gespräch mit seinen Leserinnen und Lesern in Form eines 52 Abschnitte umfassenden Frage-Antwort-Kataloges - bekannt von den Katechismen der katholischen Religion. Wirken dort die Fragen aber ziemlich gesucht, sind die Fragen hier durchwegs realistische Elternfragen, die sachlich und doch engagiert beantwortet werden. Dadurch wird das Buch - man sehe dem Rezensenten den vielleicht etwas gewagten Vergleich nach - zu einem "kleinen Suchtpräventionskatechismus für Eltern".
Im Anschluss an den ausführlichen Ursachenteil findet man im Buch auch einige Hilfestellungen zur sinnvollen Reaktion auf den Suchtmittelkonsum von Jugendlichen. Hier wurde auf Patentrezepte verzichtet, denn die Autoren sind der Ansicht, dass jeder Fall von Suchtmittelmissbrauch ein Einzelfall ist, dem unterschiedliche Ursachen zu Grunde liegen. Grundsätzlich wird Eltern geraten, das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen und eventuell mit einer Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen. Ein Verzeichnis dieser Stellen findet man im Anhang des Buches.
Ein dritter Teil des Buches gibt einen kurzen Überblick für Eltern über einzelne Drogen: von Marihuana bis Alkohol, von Ecstasy bis Nikotin.
"Auch mein Kind...?" erscheint in diesem Jahr bereits in der 16. Auflage. Die Erstauflage datiert aus dem Jahr 1985. Es ist zu hoffen, dass noch weitere Auflagen folgen werden und das Buch möglichst vielen Eltern hilft, mit den schwierigen Themen Sucht und Drogenkonsum umzugehen.
Empfehlenswert ist das Buch für alle Arten von Arbeit mit Eltern (Beratung, Kurse, Selbsthilfegruppen) wegen des überzeugenden Ansatzes, den Ursachen von Drogenkonsum nachzugehen und nicht in erster Linie die Gefährlichkeit einzelner Substanzen gegeneinander auszuspielen.
PS: Gemäss Klappentext ist das Buch auch in den Sprachen: Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch und Albanisch erhältlich.
|
FAKTEN |
BEZUG |
|
Format: 16 x 22.5cm. |
|
|
WERTUNG |
HINWEISE |
|
Optik: ansprechend und übersichtlich, Illustrationen sind Geschmackssache. Inhalt: praxisnah, gut verständlich. Nutzen: hoch. Einsatz: für Eltern mit 12-18-jährigen Kindern, besonders auch für Elternbildungskurse. |
jugendarbeit.ch vertreibt selber keine Arbeitshilfen. Wende dich für den Bezug dieses Buches an die angegebene Bezugsquelle. Für alle Hinweise zur Aktualisierung dieser Angaben sind wir dankbar! © 2001 by pm |
Peter Marti, Zürich, August 2001.