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Generationenverbindende Projekte und Initiativen
Eine Chance auch für die Jugendarbeit
Das UNO-Jahr des älteren Menschen ist am Ausklingen. Das Anliegen, Generationen miteinander zu verbinden, ist damit aber nicht vom Tisch. In der Schweiz scheint vielmehr ein Boom für generationenverbindende Projekte ausgebrochen zu sein. So sind soeben zwei ausführliche Schweizer Broschüren zum Thema "Generationenprojekte" erschienen und Ende August organisierte die Berner Landeskirche eine Tagung mit rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter dem Titel "Walzer und Rap im Einklang - neue Ideen für Generationen verbindende Projekte in Ihrer (Kirch)Gemeinde". Der folgende Artikel stellt Ressourcen für generationenverbindende Projekte und Initiativen vor.
VON PETER MARTI, JUGENDARBEITER
Im Jahr 1994 evaluierten zwei Wissenschaftlerinnen im Auftrag der Fondation de France, die Wirksamkeit von intergenerativen Projekten. Bei der Zielgruppe «Jugend» stiessen sie auf folgende Resultate (Fondation de France (ed.). L'Alliance des âges. Bergerac 1994.):
- Jugendliche haben ausserhalb ihrer Familie oft nur anonyme Kontakte zu älteren Menschen. Entweder verallgemeinern sie das Bild ihrer Grosseltern oder sie betrachten diese im Unterschied zu anderen älteren Menschen als Ausnahmen.
- Ihre Informationen zum Alter entnehmen sie den Medien oder relativ diffusen Quellen. Ihre Kenntnisse über ältere Menschen sind dementsprechend bescheiden.
- Durch die Teilnahme an einem intergenerativen Projekt veränderte und erweiterte sich ihr Wortschatz: Sie konnten ihre persönlichen Erfahrungen mit der anderen Generation beschreiben und waren äusserst überrascht und positiv beeindruckt von den älteren Menschen, denen sie begegneten.
Bei den ebenfalls in die Evaluation einbezogenen Seniorinnen und Senioren kamen die Wissenschaftlerinnen zu ähnlichen Resultaten mit umgekehrtem Vorzeichen. Hier erwarteten die älteren Menschen, die an einem Projekt teilnahmen, junge Deliquenten mit schlechtem Ruf - und begegneten einfühlsamen Jugendlichen.
Der Sinn von generationenübergreifenden Projekten ist denn auch meistensorts unumstritten. Nur: Wie plane ich ein Projekt für Jugendliche und SeniorInnen in meinem eigenen Arbeitsgebiet? Meist gehöre ich als Jugendarbeiterin und Jugendarbeiter ja selber zur jungen Generation und habe kaum Kontakte zu älteren Menschen. Die im Folgenden vorgestellte Arbeitshilfe der ref. Kirchen Bern-Jura kann unter anderem ein Ideenpool für eigene Projekte sein:
«Zwischen-Töne» (Ref. Kirchen Bern-Jura, 2000).

Die Broschüre «Zwischen-Töne» wurde von der Journalistin Gerlind Martin als Projektarbeit im Rahmen ihrer Ausbildung zur Gerontologin erarbeitet. Die Sammlung zeichnet sich durch eine hohe Praxisorientiertheit aus und ist auf die Bedürfnisse von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern zugeschnitten. Die meisten Projekte können ohne allzu grossen Aufwand am eigenen Arbeitsort durchgeführt werden. Und: alle Projekte wurden anderenorts bereits 1:1 erprobt.
Vorgestellt werden 32 Projekte aus der Schweiz und aus Deutschland, die allesamt das Ziel haben, Jugendliche und ältere Menschen in Kontakt treten zu lassen. Jedes Projekt ist gut verständlich und übersichtlich dargestellt. Besonders praktisch: Ansprechpersonen, Budget, Trägerschaft und andere Infos werden aufgeführt, sodass eine "Nachahmung" des Projektes in der eigenen Gemeinde erleichtert wird.
Wer die Broschüre «Zwischen-Töne» gelesen hat, kann unter anderem drei wichtige Voraussetzungen für generationenverbindende Projekte herauslesen:
- Wichtig für das Gelingen ist ein Vorbereitungsteam, das "intergenerativ" zusammengesetzt ist! (engagierte Seniorinnen und Senioren findest du zum Beispiel in der örtlichen Kirchgemeinde, bei Seniorenvereinigungen, bei der Pro Senectute usw.)
- Generationenverbindende Projekte leben von der "Gleichwertigkeit der Generationen". Ideen wie "wir bringen den armen alten Menschen im Altersheim einen selbstgebackenen Kuchen vorbei" vergisst du lieber gleich wieder, denn sie bestärken lediglich Vorurteile und haben wenig mit echter Begegnung zu tun.
- Den Ideen bei der Generationenbegegnung sind kaum Grenzen gesetzt: Musik, Sport, Theater, Umweltschutz etc. bieten Begegnungsmöglichkeiten für jung und alt.
Wer vor
dem Einstieg in die Praxis noch ein wenig "Theorie" zu sich
nehmen möchte, dem sei "Das Generationenhandbuch" der
Pro Juventute und Pro Senectute empfohlen. Es ist im
Gegensatz zu «Zwischen-Töne» weniger
praxisorientiert, bietet dafür viel Hintergrundwissen
zum Thema "Generationen".

Das Generationenhandbuch.
(Pro Juventute, Pro Senectute, 2000).
Neben den 14 ausführlichen Projektvorstellungen wird im «Generationen-Handbuch» vor allem der Theorie Gewicht geschenkt. Nicht alle dieser theoretischen Artikel sind spannend, einige etwas zu stark im wissenschaftlichen Jargon verwurzelt. Sehr lesenswert waren m.E. die Artikel zu Generationenbeziehungen von Secondos ("Die Nonna wohnt in Italien") und zu intergenerativen Projekten in Nachbarländern (die wie in so manchen Dingen im sozialpädagogischen Bereich, der Schweiz auch hier wieder einmal ziemlich voraus sind).
Besonders Plus dieses Buches: Glossar mit Fachbegriffen, viel weiterführende Literatur, Kontaktadressen usw. Nicht überzeugt hat uns die graphische Gestaltung.
Projektideenaus dem Buch
«Zwischen-Töne»
- Jugendliche gestalten Umrissfiguren aus Karton, stellen sie im öffentlichen Raum auf und suchen Kontakt zu älteren Passanten
- Lieblingsrezepte früher und heute
- Lernparcours Bahnhofplatz: Jugendliche erklären der älteren Generation Billettautomaten, Postomat usw.
- Talentbörse: Jugendliche und Senioren geben sich gegenseitig Knowhow weiter
- gemeinsamer Grillplausch im Altersheimpark
... und 27 weitere Ideen.
Nach der Lektüre dieser beiden Bücher bist du bestimmt motiviert, für dein eigenes Projekt. Vergiss nicht, dass es das Wichtigste an all diesen Projekten ist, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Das ist gar nicht so einfach, denn die Gefahr, dass bei der mit viel Elan organisierten Grillparty im Altersheimpark die Alten und die Jungen je in einer separaten Ecke sitzen, ist ziemlich gross. Jugendliche sind nicht immer neugierig und kontaktfreudig wie Kinder, sondern eher skeptisch und distanziert ("cool" halt).
Die vielen bereits durchgeführten und erfolgreich verlaufenen Projekten sollten dich jedoch motivieren, trotz allen Bedenken, ein generationenverbindendes Projekt zu wagen.
"Altersbilder": ein gelungenes Projekt in der Berner Gemeinde Wohlen.
Ein auch von den Medien stark beachtetes Projekt hat der Gerontologe Rolf Brun in Wohlen BE gemeinam mit einer Seniorengruppe durchgeführt: Seniorinnen und Senioren besuchten alle örtlichen Schulklassen und führten Gespräche mit Kindern und Jugendlichen zu verschiedenen Themen.
Neben 20 Lehrkräften und 220 Schülern und Schülerinnen, nahmen 20 Senioren und Seniorinnen die Gelegenheit zum Austausch wahr.
Die Begegnung wurde von einer Fotografin dokumentiert. Resultat ist eine Fotoausstellung unter dem Titel "Altersbilder und Jugendbilder".
Infos: Senioren von Hinterkappelen, Postfach 330, 3032 Hinterkappelen.
Viel Spass und gute Erfahrungen bei deinen "inter-gener-aktiven" Veranstaltungen wünscht der Autor dieses Artikels.