Nicht nur an Halloween

Eine Geisterparty mit Kindern organisieren

In Nordamerika feiern Millionen von Kindern seit Jahrzehnten am 31. Oktober «Halloween». Seit einigen Jahren sind «Halloween-Events» auch bei uns in Mode gekommen. Man mag von diesem Trend halten, was man will. Tatsache ist, das Kinder von Gespenstern und Gruseligem fasziniert sind. Vielleicht ein Grund, Ende Oktober gemeinsam mit den Kids eine Geisterparty vorzubereiten.

VON PETER MARTI

Geisterpartys mit Kindern haben nichts mit Okkultismus oder satanistischen Bräuchen zu tun. Geisterpartys nehmen auf kreative und spassige Weise die Faszination von Kindern für alles Unheimliche und Gruselige auf. "Geister" eignen sich gut als Motto für Partys aller Art, die Kinder mit ihren Kolleginnen und Kollegen feiern.

Warum gruseln sich Kinder (und auch viele Jugendliche und Erwachsene) eigentlich gerne? Wahrscheinlich setzen wir uns dabei mit unserer (Ur-) Angst vor Dunkelheit und Tod auseinander. Indem wir das Furchtbare darstellen, versuchen wir ihm den Ernst zu nehmen und damit unsere Angst erträglich zu machen.

Viele archaische Bräuche setzen sich auf ähnliche Weise wie Halloween mit schrecklichen Geistern und Dämonen auseinander - wir Schweizerinnen und Schweizer denken hier zum Beispiel an die furchterregenden Masken aus dem Lötschental (VS) oder an die Silvesterkläuse aus dem Appenzellerland.

Die Vorfreude ist bei jeder Kinderparty fast genauso wichtig, wie die Party selber. So empfiehlt es sich denn, der gruseligen Vorbereitung viel Raum zu geben und die Kinder dazu zu animieren Verkleidungsideen möglichst selber zu verwirklichen und nicht einfach fertige Kostüme im Laden zu kaufen.

Halloween in Nordamerika

In den USA und in Kanada ziehen die Kinder durch ihre Wohnstrassen und erschrecken ihre Nachbarn mit einem "trick or treat" - d.h. so etwa: "Gib uns etwas, oder wir spielen dir einen Streich!" Die Streiche bewegen sich im Rahmen der hiesigen Silvesterstreiche. Geben die Nachbarn den Kindern Geld, wird dieses seit 1965 dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef gespendet.

Seit einigen Jahren ist Halloween in den USA Kritik ausgesetzt, da sich im Zusammenhang mit "trick or treat" viele Gewaltvorfälle ereignet haben.

Trotzdem ist Halloween nicht mehr aus der amerikanischen Tradition wegzudenken - die Kinder freuen sich das ganze Jahr auf dieses Fest.

Wichtig beim Feiern von Gespensterpartys mit jüngeren Kindern ist es, den schmalen Grat zwischen Lust und Angst nicht zu überschreiten. Die Kinder sollen sich gruseln können, aber sich nicht fürchten. Es muss für die Kinder immer sichtbar bleiben, dass es sich beim Erlebten um Staffage handelt und nicht um angstmachende Wirklichkeit.

Bei Jugendlichen scheint mir wichtig, eine klare Grenze gegenüber okkulten Techniken zu ziehen. Gläserrücken und Rituale auf Friedhöfen gehören nicht an eine Halloween- oder Geisterparty, auch wenn Solches auf Jugendliche erfahrungsgemäss eine grosse Faszination ausübt. Geisterpartys sind eine Art selbstgemachte "Horrorfilme" und haben auch in etwa dieselbe Funktion. Sie sind aber nicht Lebenshilfe oder Kultveranstaltung für junge Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

jugendarbeit.ch - erstellt: 10.09.00 - geändert: 03.07.05 - © 2005 by pm