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Karriere in der Jugendarbeit
Arbeit in der Kinder- oder Jugendarbeit in kirchlichen und kirchennahen Arbeitsfeldern kann ein Sprungbrett sein für die weitere berufliche Zukunft. Oder sie kann in die Sackgasse führen. Ausbildung und spätere Weiterbildungen sind dabei entscheidend.
VON PAUL BAUMANN-AERNE
Stefan F. arbeitete mehr als zehn Jahre als Diakon mit Schwerpunkt Jugendarbeit in einer Kirchgemeinde. Er wechselte in die regionale Arbeitsstelle einer nationalen Sozialorganisation und ist seit kurzem im Personalentwicklungsbereich einer Versicherungsgesellschaft tätig. Möglich wurde dies durch die grosse Erfahrung in der Arbeit mit verschiedensten Menschen und Gruppen sowie durch eine vor kurzem abgeschlossene Ausbildung zum Supervisor und Organisationsberater.
Esther M. ist vor fünfzehn Jahren nach einer technischen Berufslehre als Quereinsteigerin in die Jugendarbeit geraten und von einer Kirchgemeinde dafür angestellt worden. Sie absolvierte damals die kirchliche Ausbildung zur Katechetin absolviert. Nun möchte sie aus der Jugendarbeit in andere kirchliche Berufsfelder wechseln. Das aber gibt Schwierigkeiten, weil sie die Anforderungen für die Anerkennung als SDM (Sozialdiakonische Mitarbeiterin) nicht erfüllt. Auf den technischen Beruf will und kann sie nicht zurück. Vielmehr möchte sie im kirchlichen diakonischen oder sozialen Feld tätig bleiben. Eine Sackgasse, aus welcher Esther nur durch eine längere Ausbildung kommen könnte.
Martin hat acht Jahre in einem Jugendverband als Sekretär gearbeitet. Als studierter Pädagoge fand er ohne Probleme eine gute Stelle als Ausbildner in einer sozialen Organisation.
Individuelle Wege auf einem soliden Fundament
Bei den Karrieren in der verbandlichen und kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit gibt es wenig Gesetzmässigkeiten. Fast jede Berufsbiografie verläuft individuell. Das heisst einerseits, dass jeder und jedem gewisse Chancen offen stehen. Es bedeutet aber auch, dass es kaum vorgespurte Berufswege gibt. Vielmehr muss man hin und wieder eigene Standortbestimmungen machen und daraus Schlüsse ziehen.
Wer in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsteigen will oder eingestiegen ist, macht mit Vorteil einer mehrjährige, möglichst auch staatlich anerkannte Ausbildung. Dies bieten vor allem die Fachhochschulen (FH), teilweise auch die Höheren Fachschulen (HFS). Dieses solide Ausbildungsfundament macht späteres Umsteigen aus einem Verband in die Kirche, aus einem kirchlichen Jugendarbeitsfeld in andere kirchliche Arbeitsfelder oder aus der Kirche hinaus in privatwirtschaftliche oder staatliche Einrichtungen einfacher.
Versäumtes nachholen
Es wird in Staat und Kirchen zwar daran gearbeitet, dass eine sogenannte grössere Durchlässigkeit von einer Ausbildungsstufe zur nächsten möglich wird. Dennoch kann heutzutage das einmal Versäumte nur mit Schwierigkeiten nachgeholt werden. Wer zehn Jahre ohne Qualifikation in der Jugendarbeit gearbeitet hat, muss trotzdem eine ganze Ausbildung nachholen - und dies geht aus familiären Gründen nicht immer so easy. Darum lohnt sich ein solider Start, auch wenn man dann halt noch einige Jahre Geduld haben muss, bevor man das geliebte Hobby Jugendarbeit zum Beruf machen kann.
Zudem ist es ratsam, wenn Jugendarbeitende in Verbänden und Kirche in fast jeder Berufs-Dekade zusätzlich zur jährlichen Weiterbildungswoche eine längere, gut anerkannte Aus-oder Weiterbildung absolvieren. So kann man sich für die sich ständig - und gegenwärtig heftig - ändernden Bedürfnisse und Anforderungen qualifizieren. Ein Umfang von jeweils 500 bis 1000 Stunden kann dabei durchaus als Richtlinie gelten. Je tiefer das ursprüngliche persönliche Ausbildungsniveau war, desto häufiger ist dies anzustreben.
Paul Baumann arbeitet bei der Reformierten Landeskirche des Kantons St. Gallen. Herzlichen Dank an den Autor für die Publikationsgenehmigung.