15. Shell-Jugendstudie 2006

Eine pragmatische Generation unter Druck

Seit über 50 Jahren sind die Jugendstudien der Shell ein Barometer für die Befindlichkeit der deutschen Jugend. Ende September 2006 ist die 15. Shell-Jugendstudie erschienen. Sie zeigt eine Jugend, die über ein stabiles Wertesystem verfügt, ihre Zukunft aber ungewiss sieht.

VON PETER MARTI, JUGENDARBEITER

Für die aktuelle Studie wurden rund 2500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens persönlich befragt. Welches sind die wichtigsten Resultate?

(1) Der noch 2002 festgestellte Optimismus der Jugendlichen hat einer etwas gemischteren Sichtweise Platz gemacht. Von Resignation kann aber nach wie vor keine Rede sein.

(2) Junge Frauen haben im Bereich der Schulbildung die jungen Männer überholt und streben auch in Zukunft höherwertige Schulabschlüsse an.

(3) Fast drei Viertel der 18- bis 21-Jährigen leben noch bei ihren Eltern. 90% bekunden, gut mit ihren Eltern auszukommen.

(4) Bei den Jugendlichen herrscht weiterhin weltanschaulicher Pluralismus. 30% der Jugendlichen glaubt an einen persönlichen Gott, 19% an eine überirdische Macht. Der Rest ist sich unsicher (19%) oder atheistisch eingestellt (28%).

Bezüglich Religiosität gibt es einen grossen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund glauben 52% an einen persönlichen Gott, bei den deutschen Jugendlichen sind es lediglich 28%.

(5) Fleiss und Ehrgeiz sind wie bereits im Jahr 2002 wichtige Werte der Jugendlichen von heute. Ebenfalls wichtig sind: Freundschaft, Eigenverantwortung, Familie, Kreativität und Sicherheit.

(6) Das politische Interesse der Jugendlichen ist seit 2002 von 34% auf 39% leicht angestiegen. Das Vertrauen in Parteien und Regierung ist jedoch weiterhin sehr klein. Die Mehrheit der Jugendlichen hält die Demokratie jedoch für eine gute Staatsform und nimmt klar gegen politischen Extremismus Stellung.

(7) Jugendliche engagieren sich weiterhin oft im eigenen Lebensumfeld für andere. 42% tun dies oft, 13% gelegentlich. Je höher das Bildungsniveau, desto grösser das Engagement.
 

Rückblick: Die 14. Shell-Jugendstudie 2002
Aufstieg statt Ausstieg - Jugendliche gestalten ihre Zukunft pragmatisch und zielorientiert. Auf diese kurze Formel konnte die letzte Jugendstudie der Shell aus dem Jahr 2002 gebracht werden.
Jugendliche mischen gemäss der damaligen Umfrage in einer Art Wertecocktail, was ihnen passend erscheint: Fleiss und Macht, Familie und Sicherheit, Kreativität und Lebensstandard. Als politisch interessiert bezeichneten sich nur 34% der Heranwachsenden, im Jahr 1991 waren es noch 57%. Der Politik und den Parteien sprachen die Jugendlichen wenig Lösungskompetenz für die Probleme der Gegenwart und Zukunft zu. Als besonders vertrauenswürdig wurden hingegen Polizei, Justiz und NGOs eingeschätzt.
Auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren die Jugendlichen laut eigenen Angaben vor allem mit einer erhöhten Leistungsbereitschaft. 75% halten Fleiss und Ehrgeiz für wichtige Werte - auch die jungen Frauen. Mädchen wollen gar öfter als ihre männlichen Kollegen eine höhere Bildung erreichen. Gleichzeitig hat die Familie einen hohen Stellenwert. Mehr als zwei Drittel der Befragten wünscht sich Kinder und 65-75 Prozent eine Familie.
Trotz der Skepsis gegenüber der Politik sind viele Jugendliche in ihrem Umfeld gesellschaftlich aktiv. Vor allem in Vereinen, Bildungseinrichtungen und selbstorganisierten Gruppen. Weniger in NGOs, Hilfsorganisationen oder Parteien. Nur 24% engagieren sich nirgends.


Quellen
Presseinformationen zur 14. und 15. Shell-Jugendstudie.

jugendarbeit.ch - erstellt: 18.12.06 - geändert: 03.08.09 - © 2009 by pm