pfad zu dieser seite: startseite > texte > strafkultur | zurückblättern

Leitsätze für die Praxis

Jugend-, Straf- und Multikultur: Wenn fremdländische Jugendliche Regeln übertreten. Tagungspaper vom 27. August 2005 (Stapferhaus Lenzburg)

Zusammengestellt von den an der Tagung referierenden Fachleuten.

- Regelverstösse nicht vorschnell kulturalisieren, sondern entwicklungspsychologische, migrationsspezifische, soziale und bildungsbegründete Erklärungen suchen

- Aufmerksamkeit nicht nur auf die regelbrechenden männlichen Jugendlichen lenken, sondern auch auf angepasste Mädchen

- Den fremdländischen Regelbrechern mehrere Chancen geben!

- Was stört uns an der spezifischen Übertretung? Ist es nur die uns verunsichernde Unordnung, die fehlende Einordnung in das System oder geht es uns auch um die Frage der menschlichen Bildung? Je nachdem, wie wir die Frage beantworten, entsteht ein anderes Handlungsmuster im Umgang mit Übertretungen

- Ist unsere Strafkultur (auch unsere Übertretungswahrnehmungskultur) nicht auch eine spezifische Kultur, welche ein Ethnologe, eine Ethnologin aus einer anderen Kultur herkommend als kulturspezifisch werten könnte? Was ist uns an dieser Strafkultur wichtig?

- Bei der Beurteilung die Gemeinsamkeiten suchen, nicht die Differenzen. Die Massnahmen fall- bzw. kulturspezifisch anpassen

- Fremdländische Familien genauso einbeziehen wie Schweizer Familien. Dafür braucht es unter Umständen Dolmetscher(innen) oder Kulturvermittler(innen)

- Kommunikationsanleitung SET: Support, Empathy, Truth

- Grundsätzlich sind bei Regelverstössen die gleichen Prinzipien zu beachten, wie im Umgang mit nicht fremdländischen Jugendlichen

- Die klare sprachliche Verständigung ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Intervention. Hierfür habe ich als Intervenierende(r) zu sorgen

- Die Irritation ist immer ein Signal dafür, dass ich eine Situation nicht richtig verstehe oder falsch interpretiere. Ich muss diese ernst nehmen und klären, bevor ich handle.

- Muss bei einer Intervention die "Intimitätsgrenze" einer Familie überschritten werden, ist deren kulturspezifisches Selbstverständnis in der Analyse und im Handeln mit zu berücksichtigen. Wenn hierzu das notwendige Wissen fehlt, muss ein Kulturvermittler, eine Kulturvermittlerin mit einbezogen werden.

jugendarbeit.ch - erstellt: 27.08.05 - geändert: 27.08.05 - © 2005 by pm